Nachdem ich heute erst den Chao Phraya rauf und wieder herunter geschippert bin, war mein Plan, das MBK-Center zu besuchen. Ich bin nicht hier, um Tempel zu sehen, diese habe ich schon bei vergangenen Besuchen bewundert und sie sind wirklich schön. Ich werde diese Beiträge auch noch hier verlinken.
Nun aber zurück. Ich bin mit der BTS bis National Stadium gefahren und direkt ins MBK-Center gegangen. Die Etage 4 interessiert mich einfach, weil hier Elektronik angeboten wird, sehr viel fake, aber ich finde es einfach spannend. Des Weiteren träumte ich gerade von einem kleinen thailändischen Mittagessen, welches ich mir auf Etage 5, im Food Court gerade vorstellte, als Unruhe in die Besucher kam. Gerade eben noch wollte mich jemand an seinen Stand locken und einen Moment später änderte ich die Situation. Irgendwas wurde gerufen (ich habe natürlich nichts verstanden), als plötzlich aus allen Richtungen Standinhaber und Besucher zusammenströmten und an mir vorbei liefen. Hinter mir befand sich eine breite zweiflügelige Glastür, welche das Parkhaus von der Verkaufsfläche trennte. Es wurden mehr Menschen, die in diese Richtung strömten. Alle waren mit sich oder der Begleitung beschäftigt. Die Situation, die ich immer noch nicht 100% bewerten konnte entwickelte eine weitere Dynamik. Irgendwas war los, irgendetwas brachte Gefahr. Ich schloss mich der Menschenmasse an. Es ging ins Parkhaus, wir waren auf Ebene vier. Es gab eine kleine Treppe, die die Parkhaus-Ebenen miteinander verband, diese hätte ich nie für wahr genommen, aber ich wurde ja mit den anderen dahin geschoben. Die Fußgänger versuchten alle auf die Treppe zu kommen, während Autos und Mopeds an uns vorbeifuhren, auf den Weg nach draußen. Ich war immer noch ahnungslos und mitten in der Menge. Da ich nichts wusste, war mir auch nicht mulmig oder sonst wie zu Mute. Wir kamen alle relativ geordnet zum Ausgang aus dem Parkhaus. Niemand hat sich unterwegs irgendwie verletzt oder ist in Panik ausgebrochen.
Draußen angekommen suchte ich mir, wie die Anderen erst mal ein Plätzchen im Schatten, in gewisser Entfernung zum Gebäude. Ich fand Niemanden, der mir beantworten konnte, was hier los war. Erst ca. 5 Minuten später (und die können echt lang sein) fand ich einen (wahrscheinlich) Amerikaner. Er klärte mich auf, das es ein Erdbeben gegeben hat, das er sogar gespürt hatte. Ich hatte davon nichts mitbekommen. Ich kann es mir nur so erklären,. dass ich in diesem Moment an einem statisch günstigeren Punkt des Gebäudes stand. Die Dynamik der Evakuierung kam ja auch aus einem anderen Teil des Gebäudes und hat uns nur mitgenommen. Keine Ahnung, ob diese Erklärung sinnvoll ist…aber so erkläre ich es mir einfach.
Was ich nur erlebte war wirklich interessant. Erst mal war ich erstaunt, wie ruhig die Menschen blieben, sie haben einfach das MBK-Center durch das Parkhaus verlassen. Es gab keine Durchsage oder irgendwelche Hinweise, zumindest zu dem Zeitpunkt, als ich noch drinnen war.
Draußen dann waren kurze Zeit später die Security und auch Polizei zugange und haben geordnet, das werde sie bestimmt auch drinnen gemacht haben.
Niemand wusste zu Begin so recht, was er/ sie nun machen sollte, also warteten wir in sicherer Entfernung. Das es ein Erdbeben war, war nun auch allen bekannt, da die Nachricht schnell verfügbar war. Ich war erstaunt, dass das mobile Netz weiter funktionierte. Viele telefonierten, manche wohl nach Angehörigen, man sah es ihren Gesichtern an. Wieder andere checkten Nachrichten, halfen mit Hilfestellungen. Ein Hotel um die Ecke gab sofort Wasserflaschen raus, es waren 37°C und viele mussten in der prallen Sonne stehen. Rollstühle wurden plötzlich herbei geschoben, um Älteren zu helfen. Es funktionierte so reibungslos. Die Menge war gefasst, einige wenige erlitten kurze Schwächeanfälle, aber es war immer gleich jemand zur Stelle. Ein paar Krankenwagen kamen auch, als die Straße noch nicht verstopft war. Ich konnte mich wenigstens ganz kurz bei einer alten Dame nützlich machen, um sie aus dem Rollstuhl heraus zu buxieren den Rolli zusammengeklappt durch die festverbauten Stanchions zu zerren und sie danach wieder zu platzieren. Da kam es zu Gute, dass ich wohl etwas größer bin, als die Thailänderin, die den Rolli schob…
Die Straßen verstopften immer mehr. Busse, Pkw, Mopeds und Tuk-Tuks. Der ÖPNV war eingestellt, alles was Schienen hatte, nur die Busse fuhren, oder besser sie standen im Stau. Alle Gebäude waren geräumt, das heißt alle waren draußen. Die Gehwege waren voll. Dazu waren natürlich alle Restaurants geschlossen. Und da stand ich nun. Der Weg zu meinem Hotel, wo ich ja auch nicht wusste, was mich erwarten würde war laut Google-Maps gut 5 Kilometer lang. Bei 37°C, nicht das, worum ich mich unbedingt bewerben würde. Trotzdem sprühte ich mir den Rest meines Sonnensprays auf die Haut und zog los. Das ging ca. 20 Minuten gut, bis mein iPhone was von Überhitzung meldete! Nun wurde es albern! Ohne Google-Maps würde ich den Weg nicht finden. Ein komplett zerkochtes iPhone hatte ich schon mal in Arizona, welches sein Leben dann auch aushauchte. Leichte Panik ließ mich das Teil runterfahren, die Schutzhülle abreißen und es hat ja zum Glück die IP68-Schutzklasse. Heute war der Tag, es zu probieren. Ein Großteil meines Trinkwassers ging bei der abkühlenden Dusche für das iPhone drauf. Es lies sich kurze Zeit später wieder starten und fühlte sich den Rest des Weges ohne dämmende Schutzhülle wohl relativ wohl!
Ich poste hier einfach Fotos, die ich heute gemacht habe. Ich verlinke auch auf vier kurze Videos…









Es wurde immer voller…






Man muss sich vorstellen, dass die Bürgersteige eigentlich sonst fast leer sind. Jeder versucht in klimatisierten Räumen zu sein oder in klimatisierten Verkehrsmitteln.


Ich lief bis zum Chao Phraya und war froh, dass die Fähre fuhr. So konnte ich zum ICONSIAM und von dort hatte ich nur noch 1,5 Kilometer zu laufen.





Das sind die Eindrücke, die ich heute eingefangen habe, an einem Tag der anders war.